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Autenrieder Brauereimuseum eröffnet Drucken E-Mail
Sonntag, den 12. Dezember 2010 um 18:52 Uhr
Autenrieder BrauereimuseumEin Dorf mit 609 Einwohnern und zwei Museen, das ist rekordverdächtig: Im Ichenhauser Stadtteil Autenried gibt es jetzt außer dem Ikonenmuseum auch noch ein Brauereimuseum.

Rudolf Feuchtmayr, Geschäftsführer der Schlossbrauerei, hat es unter Federführung des pensionierten Vertriebsleiters und früheren Mälzers und Brauers Heinz Grabowski unter dem historischen Dachstuhl des Autenrieder Amtshauses einrichten lassen. Anhand liebevoll hergerichteter historischer Exponate können Besucher dort die Verfahrensschritte des Bierbrauens nachvollziehen.

Begonnen hatte das Projekt mit Enttäuschung und Knochenarbeit: Weil aus Gründen des Brandschutzes im historischen Dachgebälk des Amtshauses nicht wie gewünscht ein Konferenzraum für das vor einem Jahr eröffnete Bier- und Wohlfühlhotel eingerichtet werden durfte, musste Feuchtmayr umplanen. Also sollte ein Brauereimuseum, für das schon sein Vater Seniorchef Leonhard Feuchtmayr allerhand Gerätschaften zusammengetragen und aufbewahrt hatte, unter dem imposanten jahrhundertealten Fichtengebälk entstehen.


Der erste Schritt dazu: Grabowski, mittlerweile als Vertriebsleiter der Schlossbrauerei im Ruhestand, schrubbte mühsam mit der Drahtbürste die weiße Kalkfarbe von den Dachbalken. Es folgten Monate, in denen Grabowski vorhandene Gerätschaften aus der Vergangenheit sichtete und katalogisierte, sich in den wenigen anderen Brauereimuseen umsah und auf Flohmärkten und bei Betriebsauflösungen stöberte.

Bei all dem aber legten die Autenrieder auf eines ihr besonderes Augenmerk: auf den Bezug zu den Brauereien in der Region, ganz besonders natürlich die Schlossbrauerei. Und so wurde der museale Rundgang durch die Entstehung des Bieres nach dem Autenrieder Motto „Vom Halm bis ins Glas“ keine x-beliebige Schau der Technik- und Braugeschichte, sondern eine anschauliche Darstellung des Brauens in der schwäbischen Heimat. Dazu haben auch etliche Familien und ehemalige Brauereibesitzer aus den umliegenden Orten beigetragen, die allerhand Gegenstände für das Autenrieder Brauereimuseum stifteten. All diese Donatoren, rund 20 sind es, waren zur Museumseröffnung am Montag eingeladen.

Da trafen sich die Leipheimer Heinrich Beilhardt und Fritz Hirschbrich mit dem früheren Brauereibesitzer Johann Schmid aus Roggenburg-Biberach. Schmid hatte den zwölf Hektoliter fassenden Gärbottich gestiftet. Der gelernte Küfer Beilhardt und der Werkzeugmacher Hirschbrich brachten sowohl den Gärbottich als auch zwei große Gärfässer wieder auf Vordermann.

Grabowski und Feuchtmayr haben nach einem Jahr intensiver Vorbereitungen manchem „altem Glomp“ zu neuen Ehren verholfen. Anhand der alten Gerätschaften lässt sich eindrücklich nachvollziehen, wie noch vor nicht allzu langer Zeit aus Hopfen, Malz und Wasser Bier gebraut worden ist. Das Autenrieder Brauereimuseum ist so aufgebaut, dass Besucher den Rundgang durch die 170 Quadratmeter große Ausstellung auch ohne Führung machen können.

Einblicke nicht nur in die Braukunst, sondern auch in ein Stück Wirtschaftsgeschichte geben die fünf Vitrinen, in denen Heinz Grabowski liebevoll zusammengestellte Schaustücke präsentiert. Freilich, Bierkrüge mit und ohne Deckel, ebenso Gläser in allerlei Formen und Größen gehören schon auch dazu, aber ebenso andere Dinge, die nicht nur Sammlerherzen höher schlagen lassen. Bierfilze auch von längst nicht mehr existierenden Kleinbrauereien der Region zeigen die einstige Vielfalt der Brauereien, von denen es laut Rudolf Feuchtmayr im Raum Günzburg/ Krumbach vor dem Zweiten Weltkrieg 152 und nach dem Krieg immerhin noch 44 gab. Mittlerweile wird hier noch in sechs Betrieben gebraut.

Heimatgeschichtliche Raritäten sind auch Dokumente wie das Notizbuch des Braumeisters Andreas Schmid von 1880 und dessen Wanderbuch, ebenso die Lohntüte des Autenrieder Brauers Johann Schuler, der im Jahr 1959 auf einen Monatsverdienst von 88,74 D-Mark kam. Davon gingen, das ist auf der Außenseite der postkartengroßen Lohntüte fein säuberlich vermerkt, folgende Abzüge ab: vier Mark für Bier, 4,69 für die Sozialversicherung, 1,61 Mark für die Lohnsteuer und zwölf Pfennig Kirchensteuer.

Auch Werbematerial wird in einer der fünf Vitrinen gezeigt, beispielsweise Kalender, Flyer und Spielkarten der Schlossbrauerei Autenried, dazu Bedienungsblöcke mit dem im Lauf der Jahre immer wieder abgewandelten Firmenlogo, Kugelschreiber, Flaschenöffner, Bierdeckelständer und Schlüsselbänder. So mancher dieser Gegenstände dürfte auch heute noch in dem einen oder anderen Haushalt in der Region in Gebrauch sein.

Von Irmgard Lorenz

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de
 

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